Pädagogisches Konzept Kinderkrippe

Das Zinnoberhaus soll ein warmer Ort sein, an dem sich Kinder geborgen fühlen. Sicherheit erleben Kinder durch einfühlsame Bezugspersonen und einen verlässlichen Tagesablauf. In einer familienähnlichen Gruppenstruktur erproben sie eigene Fähigkeiten, lernen persönliche Interessen und Stärken kennen und auszudifferenzieren, werden kreativ und selbstbewusst. Im Zinnoberhaus haben Kinder die Möglichkeit, sich in einem kindgerechten Umfeld zu entwickeln, indem sie andere Kinder erleben, miteinander spielen, toben und forschen. Somit entwickeln sie Selbständigkeit, kognitive und soziale Kompetenzen.

SINNLICHES LERNEN und Erleben steht im Vordergrund. Visuelle, auditive, olfaktorische (riechen), gustatorische (schmecken) und taktile Stimulation werden durch besondere Spiel- und Bewegungsmaterialien, Musik, Rhythmik und Tanz, oder die genussvolle Zubereitung unserer Nahrungsmittel erreicht. Erleben mit allen Sinnen gehört zum pädagogischen Alltag.

Unsere Kultur ist vor allem vom Sehen und Hören geprägt, das Bewusstsein für den Körper, die Bewegungsempfindung (kinästhetische Wahrnehmung), wird oft vernachlässigt, obwohl sie für Kinder von unglaublicher Bedeutung für die räumliche Wahrnehmung ist. Unser pädagogisches Konzept baut auf dem Bewusstsein auf, dass eine isolierte Schulung der Sinne nicht möglich ist. Es gibt zwar Phasen, in denen bestimmte Sinne dominieren, doch fortdauernde, mangelnde Stimulation einzelner Wahrnehmungskanäle führt zur Rückbildung einzelner Sinne. Kinder mit schwacher Körperwahrnehmung sehen häufig auch schlechter, eine weitere Konsequenz mangelnder, kinästhetischer Stimulation kann eingeschränktes Richtungshören sein. Durch taktile Reize begreift ein Kind seine Ich-Grenze. Die Hand, die berührt, ist nicht die Hand, die berührt wird. Somit werden das Selbst und der Andere, das Ich und Du deutlich. Durch diese Erlebnisse entstehen neue Nervenverbindungen, da Sinnesimpulse zum Gehirn gesendet werden.  Größere Kinder dürfen mit verschiedenen Wasseranwendungen experimentieren, oder Barfuss auf Linsen, Reiskörnern und Sand laufen. Wir achten besonders auf einen ausgewogenen Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe. Deshalb lösen sich anregende Aktionen, wie Rhythmik, Turnen und Tanz mit entspannenden, wie das gemeinsame Ansehen eines Bilderbuches und Phantasiereisen ab.

Die Kinder, die an einer festen Programmvorgabe nicht teilnehmen wollen, dürfen freispielen. Die Bedeutung des freien Spielraumes für unsere Krippenkinder besteht darin, eine „vorbereitete“ Umgebung vorzufinden, in der sie Zeit und Möglichkeiten haben, sich mit dem auseinanderzusetzen, was für ihre Entwicklung gerade wichtig ist. Dies geschieht ohne pädagogisches Einwirken von außen, in einer absichtslosen Auseinandersetzung des Kindes mit den angebotenen „offenen Materialien“. Holzklötze, Tücher, große und kleine Bälle, Kissen und Pappschachteln eignen sich gut um eigenständig auf Entdeckungsreise zu gehen. Aber auch die zahlreichen BEWEGUNGSMATERIALIEN nach Emmi Pikler, die Krabbelkiste und das Podest, die schiefe Ebene, der Kriechtunnel, das Labyrinth, der Dreieckständer, die Hühnerleiter und die Kippelscheibe unterstützen Kinder im „Krabbelalter“ dabei, vielfältige Erfahrungen zu sammeln. Hierbei entscheidet das Kind selbst, wann und womit es spielen will und auch wie lange. Auf diese Weise lernen Kinder die in ihnen angelegten Fähigkeiten zu entwickeln und anzuwenden. Sie erleben aber auch Schwierigkeiten, erfahren dabei ihre Grenzen und erkennen im Tun Möglichkeiten, Grenzen zu überwinden oder diese zu akzeptieren. Als Meister ihrer eigenen Lernprozesse gibt es für sie kein „richtig“ oder „falsch“, vielmehr schöpfen Kinder starke Motivation aus der tiefen Befriedigung, die sie beim Entdecken eigener Lösungen empfinden. „Der Säugling erlernt also im Lauf seiner Bewegungsentwicklung nicht nur sich auf den Bauch zu drehen, nicht nur das Rollen, Kriechen, Sitzen, Stehen oder Gehen, sondern er lernt auch das Lernen.“ Emmi Pikler.

Wöchentlich erstellen wir mit unseren Kindern einen Speiseplan für das Mittagessen. Dieser wird jeden Vormittag in Kleingruppen umgesetzt. Ein so lebensnotwendiges Element wie die ERNÄHRUNG, können und wollen wir nicht an einen Catering Service abgeben. Das Hantieren mit frischen Lebensmitteln und die dazugehörige Zubereitung ist für uns eine viel zu wertvolle und komplexe Aufgabe, als diese aus unserem pädagogischen Konzept zu entfernen. Hier schulen Kinder ihre Feinmotorik und lernen Dinge und Begriffe des alltäglichen Lebens besser kennen und benennen. Außerdem erleben sie olfaktorische (riechen) und gustatorische (schmecken) Anregung auf hohem und kindgerechtem Niveau. Wir achten auf beste Qualität und beziehen alle unsere Lebensmittel in Bio-Qualität von ökologischen Landbauern aus der Region. Unser Speiseplan ist schmackhaft und gesund mit reichlich pflanzlicher Frischkost (Salate, Obst, Gemüse). Obst und Gemüsesäfte stellen wir täglich selbst her und aus frischen Kräutern fertigen wir unsere eigenen Tees.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Pädagogik ist die VIELFALT, weshalb das Zinnoberhaus möglichst heterogen zusammengesetzt ist. Kinder, Eltern und Team aus unterschiedlichsten Kulturen und Religionen, mit verschiedenartigen Bildungshintergründen und vielfältigen Herausforderungen, in körperlichen, geistigen und oder seelischen Bereichen. Gegenseitige Hilfestellung und Offenheit dienen dazu Akzeptanz für die Verschiedenheiten aller Teilnehmer zu entwickeln. Unterschiedliche Entwicklungen können als Ausdruck von jeweiliger Individualität erlebt werden, womit das gesamte Haus um ein Vielfaches bereichert wird. Eine Organisation für VIELFALT soll sich nicht nur auf gemeinsame Spiel- und Lernorte beschränken, vielmehr soll sich daraus ein gemeinschaftliches Betreuungsangebot entwickeln, das Elemente von Pädagogik und Entwicklungsbegleitung zu einem „curricularen Konzept“ mit neuer Qualität zusammenfügt, um möglichst auf die individuellen Bedürfnisse Aller einzugehen. Im Verständnis dieser pädagogischen Bewegung meint VIELFALT das miteinander Lernen und Leben von Menschen mit all ihren Herausforderungen und hohen Begabungen.

ALTERSINTEGRATION durch stundenweise GRUPPENÖFFNUNG. Unsere Gruppenräume werden täglich für einen gewissen Zeitraum geöffnet, damit Kinder aller Altersstufen im freien Spiel oder Angebot zusammenkommen können. Im Vordergrund steht das „Voneinander Lernen“.  Große Kinder helfen Kleineren, vertiefen somit spielerisch ihr erworbenes Wissen, erlernen notwendige soziale Kompetenzen und werden selbstbewusst. Es ist erwiesen, dass Kinder mit unterschiedlichem Alter und unterschiedlichen Entwicklungsvoraussetzungen effektiver lernen und so wird diese Interaktion zu einem wechselseitigen Gewinn. Während der Gruppenöffnung verweilt jeweils ein Pädagoge im eigenen Gruppenraum und bietet ein spezielles Angebot zur freien Teilnahme an. Diese Angebote können je nach Alter, verschiedene Mal- und Bastelarbeiten, Psychomotorik, Kinderyoga oder Forschen sein. Ebenso möglich sind Singen und Musizieren oder kleinere Theatereinheiten mit dazugehöriger Verkleidung und Schminke, in denen kürzere Sequenzen aus Kinderbüchern nachgespielt werden. 

Die Kleinsten können mit Farben experimentieren oder kneten, verschiedene Materialien zusammenfügen und einfache Gebilde erschaffen. Da wir den älteren Kindern freiwillige Patenschaften anbieten, können die, die eine solche übernommen haben ihre Zeit aber auch mit ihrem kleinen „Patenkind“ verbringen, mit ihm spielen, oder anfallende pflegerischen Maßnahmen gemeinsam mit einem Pädagogen übernehmen. Durch die Übernahme einer Patenschaft können größere Kinder sehr gut auf eine zum Beispiel bevorstehende Geburt eines Geschwisters vorbereitet werden. Kinder erleben dadurch, wie wichtig ihre Mithilfe sein kann, erlernen wickeln, füttern und den richtigen Umgang mit dem kleinen Menschen. Geschwisterrivalität und daraus resultierende Konflikte werden somit um ein Vielfaches minimiert. Aber auch Einzelkinder profitieren, denn sie dürfen in Form dieser Patenschaft ein Stück weit Verantwortung für einen kleineren Menschen übernehmen und machen damit auch ohne Geschwister eine wichtige Lernerfahrung. Weil situatives Lernen lebensweltorientiert ist, basiert unser pädagogisches Handlungskonzept und damit verbunden die Rolle der Pädagogen auf den Grundsätzen des Situationsansatzes. Diese Haltung soll alle Bildungs- und Lebensbewältigungsprozesse der Kinder im Zinnoberhaus begleiten.

Im Zinnoberhaus werden Kinder vom ersten bis zum sechsten Lebensjahr in jeweils zwei Gruppen pro Haus in jeweils einer Krippen und einer Kindergartengruppe betreut. 

Täglich werden die Gruppen geöffnet, um den Kindern eine größere Auswahl an Angeboten zu gewährleisten. Jeder Pädagoge hat persönliche Schwerpunkte. Durch die Gruppenöffnung sind Kinder nicht nur auf die Fähigkeiten des ihnen zugeteilten Pädagogen beschränkt und können frei wählen, ob sie sich für eines der Angebote oder das freie Spiel entscheiden. Auch Freundschaften können über die Gruppen hinaus entstehen und vor allem erreichen wir in diesen Stunden die altersübergreifende Integration, aller Kinder vom ersten bis zum sechsten Lebensjahr, ein weiterer Kerngedanke unserer Konzeption. Die Vorteile der Altersmischung werden insbesondere durch Angebote der Mischung und Angebote der Entmischung ermöglicht und gezielt unterstützt. Spielanbahnung in möglichst diversen Gruppenstrukturen ist ebenso wichtig, wie die zeitweise bewusste Trennung (Räumlichkeiten und Zeitdauer betreffend) auch nach Neigungen und Altersstrukturen.

Öffnungszeiten

Mo – Fr  07.30 – 18.00

Bringzeiten

 7.30 – 08.40 Uhr

Abholzeiten

11.45-12.00/12.45-13.00/13.45-14.00/14.45-15.00/15.45-16.00/16.45-17.00/17.45-18.00 Uhr

Tagesablauf

07.30 – 08.40 Bringen, Spiel, Gleitendes Frühstück, Obst

09.00 Morgenkreis/Kinderkonferenz

09.30 Garten, Projekt, Spiel

10.30 Pflege/Hygiene

11.30 Mittagessen (frisch im Zinnoberhaus gekocht und 100 % Bio)

12.00  Mundhygiene/Zähneputzen/Reinigung mit Wasser

bis 12.00 – 13.30 Schlafenszeit (Geschichte lesen, ausruhen oder schlafen)

im Anschluss Pflege/Hygiene

14.30 Gemeinsames Musizieren

15.00 Brotzeit/Obst

danach Garten/Projekt/Spiel

ab 16.00/16.30  Gruppenzusammenlegung

16.00 Gemeinsame Betreuung in einer Gruppe, Abendprojekt

18.00 Ende

Eingewöhnung

Die sukzessive Ablösung von der Familie mit dem Ziel in der Krippe neue privilegierte, soziale Beziehungen aufzubauen, stellt für alle Kinder eine große Herausforderung dar. Kinder im Krippenalter wären überfordert, wenn so eine Aufgabe ohne ausreichende Unterstützung ihrer Eltern bewältigt werden müsste. Da alle Beziehungen der Kinder in den ersten Lebensmonaten von unvergleichbar großer Intensität sind und diese Bindung in der Regel hauptsächlich zwischen Eltern und Kind stattfindet, ist es von großer Wichtigkeit, dass zumindest einer dieser Bezugspersonen beim Eingewöhnen in die Krippe als „secure base (John Bowlby)“3, also als sichere Basis Präsenz zeigt. Kinder können in den ersten zwei Lebensjahren ihr inneres Gleichgewicht noch nicht selbständig aufrechterhalten und benötigen hierfür die Unterstützung ihrer Eltern. Fremde Umgebungen und Personen, Erkrankung oder Schmerz lösen bei Kindern Stresssituationen aus, aus denen resultierend sie die Nähe ihrer Eltern suchen. Diese Nähe, wenn ausreichend erreicht, stellt eine Beruhigung her in der die Kinder angstfrei ihre Umwelt erkunden können. Ist diese sichere Basis nicht gewährleistet, löst dies bei Kindern existenzielle Ängste aus. Die daraus resultierende Unsicherheit in der Gruppe, die oft mit Weinen einhergeht, lässt sich in der Regel von den „neuen Bezugspersonen“ nicht ausreichend regulieren.

Eine Studie hat ergeben, dass sowohl zu kurze, als auch zu lange Eingewöhnungsphasen nicht erfolgreich verlaufen. In beiden Fällen treten oft Krankheit und starke Verunsicherung in der Bindung zum Elternteil auf. Somit wird deutlich, dass bei jeder Eingewöhnungsphase mit jedem Kind unterschiedlich abgewogen werden muss, was letztlich für eine gute Begleitung notwendig erscheint.

Diese elterliche Begleitung wird vom Kind als sichere Basis für seine Anpassungsleistungen benutzt und wird sich als erfolgreich herausstellen, wenn eine Pädagogin/Bezugsperson diese sichere Basis in Vertretung für die Eltern gewährleisten kann. Zum Ablauf der Eingewöhnungsphase findet ein Gespräch zwischen den Pädagogen/Bezugspersonen und den Eltern statt in dem erste Vorgehensweisen geklärt werden können.